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pétanque - von
niklas schenck - freier mitarbeiter der rnz-sportredaktion
mannheim. pétanque ist einfach. der pointeur wählt eine donnée
und muss bei seinem portée-wurf einfach die boule so ans cochonnet
legen, dass der tireur sie auch mit grösstem effet dort nicht wegschiesst.
alles klar? für die teilnehmer des ersten spieltages in der rhein-neckar-liga
im pétanque schon. in blumenau bewarben sich am samstag 44 mannschaften
um die tabellenführung im regionalen ligabetrieb, ausgemachte experten
ebenso wie neulinge. wer die einstiegshürde sprache genommen hat, findet
schnell gefallen an dem sport, der vielen bisher nur in seiner freizeit-variante
bekannt ist. als anfänger ist man in guter gesellschaft: 13.000 spieler
sind schon in deutschen vereinen organisiert. tendenz steigend.
„wir betreiben ambitionierten sport und sind längst über das
stadium hinaus, als der name boule nur für pastis- und rotwein-vernarrte
frankophile lebensart stand“, erzählt ligaleiter roland keuerleber.
boule ist der überbegriff für mehrere spiele, von denen pétanque
am weitesten verbreitet ist. dazu wurde das ursprüngliche spiel jeu provençal
seines anlaufes beraubt, um es auch gehbehinderten spielern zugänglich
zu machen – der name pétanque stammt aus dem provençalischen
und bedeutet „füsse zusammen“. gespielt wird einzeln im tête-á-tête,
zu zweit im doublette oder zu dritt im triplette, wobei eine liga-mannschaft
aus je einem team jeder kategorie besteht. ziel ist es, dem zuerst geworfenen
schweinchen, der kleinsten der kugeln, möglichst nahe zu kommen. der
gefühlvolle „leger“ bringt sein team dabei in führung,
woraufhin meist ein zielgenauer „schiesser“ des gegners versucht,
die kugel vom schweinchen abzudrängen. ob der zielgenauigkeit und perfektion
kommen laien schnell ins staunen. doch neben vollendeter technik kommt es
auch auf taktik an: wann wird mit dem legen fortgefahren, wann geschossen?
wer aus dem triplette unternimmt den nächsten versuch? „wie bei
jedem sport entscheidet die psyche“ zuckt adrian matthis vom verein
heidelberger boulespieler mit den schultern, als der 15-jährige daniel
orth (bc schwetzingen) ihn mit 13:3 abfertigt. punkte bekommt, wer am ende
dem schweinchen am nächsten liegt – gehören ihm mehrere der
nächstgelegenen kugeln, gibt es auch mehrere punkte. und genau das schafft
daniel orth immer wieder, trotz vierzehn jahren erfahrung kann adrian matthis
ihm nichts entgegensetzen.
in frankreich gibt es sogar spieler, die vom pétanque allein leben
können, denn bei den turnieren gibt es fast immer preisgeld. „pokale
sind total aus der mode gekommen“, bedauert adrian matthis, und erntet
ein grinsen von seinem jungen gegner – denn der ist gut, und kann bei
den wöchentlich stattfindenden turnieren sein taschengeld aufbessern.
bald fährt er zu einem sichtungslehrgang für die jugendnationalmannschaft
und will sich dort für die wm in kanada qualifizieren. bei so ehrgeizigen
plänen bleibt schon mal die entspannte mentalität auf der strecke,
die man bei rentnern auf dorfplätzen im frankreich-urlaub beobachtet
hat. hier wird auch bei widrigen verhältnissen gespielt. im winter schaufeln
die heidelberger boulespieler das 12 x 3 meter grosse spielfeld frei, hände
und eisenkugeln werden über dem feuer in einer tonne erwärmt. auch
in blumenau ist die kälte beissend. „abgesagt wird aber nur, wenn
so viel wasser auf dem platz steht, dass das schweinchen treibt, anstatt zu
liegen“, erklärt roland keuerleber. tipps für einsteiger hat
er auch: „man muss den risikofaktor boden ausschalten. mit portées,
hohen bällen mit rückwärtsdrall, schafft man es, dass die kugel
von dort, wo man sie hinwirft, nur noch minimal weiterrollt.“
über diese ersten gehversuche sind die spieler in der rhein-neckar-liga
längst hinaus. bei ihnen geht es um so schwierige würfe wie den
carreaux-sur-place: die gegnerische kugel so wegzustossen, dass die eigene
kugel exakt deren platz einnimmt. profis schaffen das wiederholt und auf kommando.
zwar seltener aber dennoch regelmässig gelingt es auch in der rhein-neckarliga.
heute sind unter den mannschaften aus dem heidelberger kreis besonders wiesloch
iv und schwetzingen besonders erfolgreich gestartet: wiesloch ist ungeschlagener
tabellenführer der bezirksliga a, und schwetzingen mit daniel orth als
tête-á-tête spieler erspielte sich platz vier in der oberliga.
einzig bei adrian matthes und seinen heidelberger boulefreunden läuft
es nicht – gerade mal ein sieg aus vier spielen und platz elf im zwölferfeld.
vielleicht waren die gedanken noch zu sehr beim vereinsheim, einem bauwagen,
das kürzlich abbrannte, so dass jetzt ein ersatz gesucht wird.
auf der internetseite des verbandes gibt es noch einen tipp: nicht mit 0:13
verlieren. denn dann muss man die „fanny“ küssen. noch ein
fachbegriff. entstanden, weil früher zum trost ein mädchen aus fleisch
und blut geküsst werden durfte, die fanny hiess – heute ist es
eine strafe, und geküsst wird ein gemälde.